Donnerstag, 22. August 2019
Ich, der Böse... Teil II
Na hurra. Ich war so mutig, mal wieder das Gespräch zu suchen. Zugegeben, meine Grundlaune ist nicht die Beste, allerdings: ist das so überraschend oder nicht nachvollziehbar?
Und ja, auch dieses Mal bin ich wieder der Doofe, der nicht einsehen kann, dass meine Frau doch alles macht, um eine schöne Beziehung wieder herzustellen. Ich bin ungeduldig. Ich habe kein Verständnis. Ich bin schuld daran, dass meine Frau sich jetzt wieder mies fühlt...
War ein tolles „Gespräch“! Bin ich doch so undankbar, dass ich nach drei Monaten immer noch keinen Plan habe, dass alles jeden Tag ein klein wenig besser wird. Ja, meine Frau denkt so. Jeden Tag wird alles wieder ein Stück besser, wieder normaler, so wie früher.
Sorry, davon bekomme ich nix mit. Frühstücksbrote, mal kurz die Hand halten, eine kleine Umarmung alle drei Tage, die morgendliche WhatsApp Nachricht mir Kussmund, - das sind die Zeichen, die ich übersehen haben soll. Ah, ok, das habe ich wohl wirklich falsch interpretiert...
Jetzt mal Tacheles: vor drei Monaten hat meine Frau mir gesagt, dass sie mich nicht mehr liebt. Das sie die Beziehung/Ehe beenden möchte, lieber wieder alleine leben möchte. Aber sie macht es nicht. Hat zwischendurch gesagt, dass sie die Ehe doch nicht beenden möchte. Ansonsten leben wir wie Bruder und Schwester, wie gute Freunde, die gemeinsam ein Kind erziehen. Ist das jetzt so schwer sich zu entscheiden, ob man einen Menschen liebt, bzw. mit ihm zusammen bleiben möchte?
Mag sein, dass ich ungerecht bin, ungeduldig, ohne Rücksicht. Aber jeden Tag löse ich mich mehr auf, verliere mein Ich, meine Identität, mein Leben, meine Ideale. Ich habe noch meinen Lada und ein paar Träume, mehr ist von mir nicht mehr übrig geblieben.
Meinem Traum von einer glücklichen Partnerschaft laufe ich jetzt seit drei Monaten hinterher, und ich verliere den Anschluss. Immer öfter stelle ich mir die Frage, warum ich eigentlich noch kämpfe. Warum ich tagsüber den Schauspieler mache, so tue als ob ich ein glücklicher Mensch bin. Mir gehr es nicht mehr gut, körperlich und seelisch. Traurig denke ich an die Zeiten, in denen ich glücklich und zufrieden war. Und die hatte ich auch schon bevor ich meine Frau kennen gelernt habe...
Heute morgen dachte ich noch, dass heute ein guter Tag wird. Und ja, ich habe endlich wieder einen Job, bei dem ich tagsüber abschalten kann und mich voll konzentrieren muss. Kein Platz für Sorgen oder schlechte Gedanken, selbst den Teufel höre ich dann nicht brüllen. Volle Kraft in die Buchungssätze und Auswertungen. Zahlen lügen nicht, sie kann man nicht falsch interpretieren. Sie sagen auch im Nachhinein nicht, dass sie etwas völlig anders gemeint hätten.

Habe jetzt ein mieses Gefühl. Fühle mich schuldig, schlecht. Ich bin verzweifelt, weil ich meiner Frau nicht klar machen konnte, was ich meine. Dass sie nach drei Monaten sich ihrer Gefühle langsam sicher sein sollte. Dass sie mit mir über das Thema Sex wieder/endlich reden kann. Ob nun einmal am Tag, die Woche, im Monat oder im Jahr, solange man in einer Beziehung darüber reden kann, ist alles gut. Ich aber habe zu dem Thema Redeverbot. Ich darf wissen, dass sie es sich oft selbst besorgt. Ich dürfte es mir auch ständig selber besorgen, - in unserem Alltag ist dafür aber kein Platz, wenn ich dabei für mich alleine sein möchte. Oder aber ich muss bis spät abends warten... bin aber auch nur ein Mensch und irgendwann müde. Fazit: Sex, ob alleine oder zu zweit, gehört nun mal zu Leben dazu. Habe jetzt weniger denn je davon, egal wie. Ist sicherlich nicht alles im Leben. Aber wie gesagt, gehört halt dazu, auch wenn es gerne tot geschwiegen wird.
Meine moralisch Erziehung verbietet mir, fremd zu gehen oder ein Bordell aufzusuchen. So sehr sich diese Gedanken auch aufdrängen.

Ich liebe dieses Kind unendlich. Sie spürt, wenn es mir nicht gut geht, wenn ich besonders viel Liebe und Kraft benötige. Und sie ist für mich da, reinen Herzens, bedingungslos. Ihr zuliebe, und da bin ich gerade ehrlich, gebe ich mir weiterhin Mühe, bringe die Kraft auf, den Vorgaben meiner Frau zu folgen. Fröhlich sein. Machen. So tun als ob. Und ja das spezielle Thema nicht ansprechen. Möglichst solche mentalen Aussetzer wie heute nicht zu wiederholen. Ja, sie mag ja recht haben, lebt sich so besser.
Gott, Mom, Molly, - gebt mir Kraft!

Jeden Tag ein bissl besser. Und es soll ja keine zwei Jahre mehr dauern, bis alles wieder so ist wie früher. Das waren ihre Worte.
Ok, ich halte durch.
Ok, ich komme mir gerade saublöd vor.
Ok, das ist in Ordnung.
Ok, in Ordnung.
Zeit, nach Hause zu gehen...

In diesem Sinne,
Francis Fortune

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